27.11.2009
Akutschmerztherapie-Konzept des Klinikums Darmstadt vom TÜV Rheinland zertifiziert
Schmerzen nach chirurgischen Eingriffen sind nicht nur unangenehm, sondern können den Erfolg einer Operation negativ beeinflussen. Daher ist es für wichtig, den Patienten postoperativ eine wirksame Schmerzbehandlung anzubieten. Die heute zur Verfügung stehenden speziellen Schmerztherapieverfahren führen in der Regel zu einer exzellenten Schmerzlinderung und ermöglichen somit eine rasche postoperative Mobilisation. Dies ist ein wichtiger Beitrag für einen positiven Krankheitsverlauf und eine rasche Genesung. Darüber hinaus kann eine konsequent durchgeführte Akutschmerztherapie der Entstehung chronischer postoperativer Schmerzen vorbeugen.
Um sicherzustellen, dass Patienten, die in Folge eines operativen Eingriffs unter Schmerzen leiden, schnell und wirkungsvoll geholfen wird, hat das Klinikum Darmstadt ein Akutschmerztherapie-Konzept erarbeitet, das in allen operativen Kliniken angewendet wird. Dieses Konzept sieht vor, dass Pflegekräfte - nach vorheriger ärztlicher Anordnung - selbstständig Schmerzmittel verabreichen können. Wann und in welchen Dosierungen dies der Fall ist, regelt ein so genannter Algorithmus, ein dreistufiges Verlaufsschema.
Grundlage für die Verabreichung von Schmerzmitteln ist die Selbsteinschätzung des Patienten: Er wird direkt nach der Operation und dann bei Bedarf mehrfach pro Schicht aufgefordert, auf einer Skala von 0 (schmerzfrei) bis 10 (stärkster Schmerz), der so genannten numerischen Rangskala (NRS), seinen Schmerz einzuordnen. Ab Schmerzstufe 3 kommt der Algorithmus zum Tragen: Er legt fest, welche Menge welches Wirkstoffs gegeben wird. Tritt der gewünschte Effekt - ein Absinken des Schmerzes auf einen Wert zwischen 0 und 3 bzw. ein durch den Patienten selbst definiertes Therapieziel - nicht innerhalb von 30 bis 60 Minuten ein, ist die Pflegekraft autorisiert, die Medikation gemäß Stufe 2 zu verabreichen. Genügt auch das nicht, folgt Stufe 3. Klagt der Patient danach immer noch über stärkere Schmerzen, muss der behandelnde Arzt hinzu gezogen werden.
Ziel dieses Konzeptes ist es, die Schmerztherapie zu systematisieren und zu beschleunigen sowie den Pflegekräften auf den Stationen größere Handlungsspielräume innerhalb eines klar definierten Rahmens einzuräumen. Mussten Patienten früher Schmerzen oft über einen längeren Zeitraum ertragen, weil nur der behandelnde Arzt das Schmerzmittel verabreichen durfte, dieser aber wohlmöglich gerade im OP stand, so kann heute praktisch mit Auftreten des Schmerzes reagiert werden - immer unter der Bedingung, dass der Arzt die Anwendung des Algorithmus initial verordnet hat.
Voraussetzung für die Umsetzung des Akutschmerz-Konzepts war die Etablierung eines Akutschmerzdienstes, bestehend aus einem Schmerzmediziner und drei so genannten Pain Nurses (speziell für die Betreuung von Schmerzpatienten ausgebildete Pflegekräfte). Sie sind die „Task Force" und werden konsiliarisch hinzu gezogen, wenn ein Patient nicht auf den Algorithmus anspricht. Sie waren aber auch verantwortlich für den Aufbau eines flächendeckenden Netzes von speziell geschulten Pflegekräften, denn um das Konzept mit Leben zu füllen ist eine Durchdringung aller Stationen extrem wichtig. Heute gibt es auf allen Stationen, die zu operativen Kliniken gehören, speziell geschulte Pflegekräfte. Um das erworbene Wissen lebendig zu halten, finden regelmäßig Auffrischungskurse statt.
Eine erste Bilanz nach Etablierung des Konzepts kann sich sehen lassen: Bei einer Patientenbefragung im Jahr 2009 wurde der Schmerzdienst hervorragend bewertet. Da überrascht es eigentlich auch nicht mehr, dass das Konzept und seine Durchführung nun vom TÜV Rheinland zertifiziert wurden.