Klinikum Darmstadt - Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg-Mannheim



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14.07.2010

Stent-Graft bei Bauchaorten-Aneurysma (BAA)

Im Gefäßzentrum Darmstadt wird das gefährliche Bauchaortenaneurysma erfolgreich minimalinvasiv behandelt. Dieses Verfahren, der so genannte Stent-Graft, ist für die Patienten weniger belastend als die klassische Operation.

Ein Bauchaortenaneurysma ist eine krankhafte Erweiterung oder Aussackung der Bauchschlagader. In den meisten Fällen - etwa 95 Prozent - ist der unterhalb der Nierenarterien gelegene Abschnitt der Bauchaorta betroffen. Die größte Gefahr bei dieser Erkrankung ist das plötzliche Platzen oder Einreißen (Ruptur) des Aneurysmas, was zu einem Verbluten der Betroffenen führt. Ein weiteres Risiko ist die Bildung von Blutgerinnseln im Bereich der Aussackung. Diese Blutgerinnsel können sich lösen und mit dem Blutstrom in die Arterien der Beine geschwemmt werden, wo sie zu akuten Gefäßverschlüssen führen können.


Größere Aneurysmen (ab einem Durchmesser von 5 cm) oder schnell wachsende sollten behandelt werden. Dazu gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: die "offene Operation" und die Stentimplantation über die Leistenarterie. Bei der offenen Operation wird die Bauchhöhle geöffnet. So wird die Bauchaorta in ihrer ganzen Länge sichtbar. Dann wird das Aneurysma "stillgelegt", indem man die Aorta oberhalb und unterhalb der Aussackung abklemmt. In diesem Abschnitt wird die Aorta längs aufgeschnitten, aufgeklappt und es wird eine Gefäßprothese eingesetzt. Nach dem Einsetzen der Prothese wird der Blutfluss durch die Prothese geleitet.


Die Stentimplantation ist ein so genanntes minimalinvasives Verfahren. Hierbei werden die Leistenarterien des Patienten unter Vollnarkose beidseitig freigelegt. Anschließend werden zwei Katheter in die Arterien eingeführt. Im Inneren des Katheters wird der Stent bis zum Aneurysma vorgeschoben. Der Stent besteht aus einem überzogenen Metallskelett, das sich selbstständig entfaltet, wenn der Stent im Inneren der Bauchaorta an der Stelle des Aneurysmas platziert ist. Von nun an fließt das Blut durch den Stent, dadurch wird das Aneurysma abgedichtet.


Was so einfach klingt, ist ein Eingriff, der große Erfahrung des Behandlungsteams voraussetzt: Während die Katheter bis zum Aneurysma vorgeschoben werden, ist das Aneurysma selbst nicht zu sehen. Nur während der kurzen Phasen, in denen ein Kontrastmittel über den Katheter verabreicht wird, können die Ärzte kontrollieren, ob sie das Ziel erreicht haben. „Eine gründliche Vorbereitung und Planung des Eingriffs ist daher unerlässlich“, so PD Dr. Farzin Adili. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, die Prothese in Form eines auf dem Kopf stehenden Y im Körper des Patienten zusammen zu fügen. Denn in den Körper gelang sie in zwei Teilen: Über die eine Seite werden der Hauptarm und ein Seitenschenkel eingeführt, über die andere Arterie der zweite Seitenschenkel. Dieser muss dann in die dafür im größeren Prothesenstück vorgesehene Öffnung geschoben und hier fixiert werden.


Ist die Prothese richtig platziert und freigesetzt, entfaltet sie sich selbsttätig aufgrund eines elastischen Metallskeletts, das aus Nitinol, einer Legierung aus Nickel und Titan, besteht. Abschließend wird sie zusätzlich noch von innen mit Hilfe eines Modellierballons aufgeweitet und so noch inniger an die Gefäßwand gedrückt. Besonders an den Übergängen zur körpereigenen Schlagader ist dies entscheidend, da der Stent so abgedichtet wird. Dies stellt sicher, dass zukünftig das gesamte Blut durch das künstliche Gefäß fließt und das Aneurysma wirkungsvoll stillgelegt ist.


Das Verfahren wird im Gefäßzentrum Darmstadt inzwischen routinemäßig angewendet. Der Eingriff wird vorgenommen von PD Dr. Farzin Adili (Direktor der Klinik für Gefaß- und Endovascularchirurgie) und Prof. Dr. Peter Huppert (Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie), unterstützt durch ein Team aus Ärzten beider Abteilungen sowie der Anästhesie und der Funktionspflege. Technische Assistenten unterstützen bei der Bildgebung. Außerdem kann ein Vertreter des Stent-Herstellers anwesend sein, um bei eventuellen Problemen mit dem Katheter oder der Prothese während des Eingriffs beraten zu können.






Bilder zur Meldung

 


PD Dr. Farzin Adili und Prof. Dr. Peter Huppert während des Eingriffs

 


Gefäßprothese zur Behandlung des Bauchaortenaneurysmas




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